115-Städte-Studie Auto-Diebstähle: Görlitz, Hannover, Köln oder Berlin „Klau-Hochburgen“ / 36.388 Autos gestohlen

23.10.2015

100 Diebstähle pro Tag / Fast 500 Mio. Euro Schaden / 65 Prozent Deutsche Tatverdächtige, 35 Prozent nichtdeutsche

Weiterführende Informationen und Grafiken zur Studie können über presse@billiger.de angefragt werden.

Meist hören betroffene Autobesitzer ein kurzes Aufheulen des Motors und das Auto ist weg – wenn sie überhaupt etwas vom Diebstahl mitbekommen. Fest steht aber, dass 36.388 Autos im Jahr 2014 gestohlen wurden – immerhin 1.100 weniger als 2013. Doch kein Grund zur Freude: Die Schadenssumme erreicht mit mehr als 474 Millionen Euro einen neuen Spitzenwert. Das ergab eine Erhebung des Verbraucherportals für Produkt- und Preisvergleiche billiger.de (2,82 Mio. Nutzer im Monat lt. AGOF). Einen handfesten Beleg erbrachte die Polizei Essen am 20. Oktober 2015, die in einer europaweiten Razzia 440 Straftaten im Zusammenhang mit Autoklau nachweisen konnte – mit einem geschätzten Schaden von über drei Millionen Euro.

Diebstahl-Hochburgen: u.a. Görlitz, Berlin, Cottbus, Köln, Hamburg

Fakt ist: Trotz aller neuartigen Sicherungssysteme bleibt Deutschland für Autodiebe eine Art „Selbstbedienungsladen“. Unumstrittene Diebstahlhochburg war im Jahr 2014 das ostsächsische Görlitz. Gemessen an der Anzahl der angemeldeten Kraftwagen und der bei der Polizei eingegangenen Diebstahlmeldungen verschwanden in der kleinen Grenzstadt zu Polen hochgerechnet 616 Autos je 100.000 zugelassener Fahrzeuge (insgesamt 157 Straftaten). Damit liegt die Kommune im Städtevergleich satte 507% über dem Studiendurchschnitt. Auf dem zweiten Platz landet Berlin. Die Hauptstadt verzeichnete insgesamt 6.664 Diebstähle – keine andere deutsche Stadt hat mehr Straftaten aufzuweisen. Im Vergleich zu den zugelassenen Kraftfahrzeugen ergibt dies eine Klau-Quote von 532 Delikten je 100.000 zugelassener Fahrzeuge (+425%).

Es folgt das südbrandenburgische Cottbus. Mit einer Diebstahlquote von 496 Autos je 100.000 zugelassener Wagen (+389%) landet Cottbus auf Platz drei. Insgesamt wurden 258 Diebstähle gezählt. Und auf Platz vier findet sich: Frankfurt an der Oder. Die Behörden verzeichneten für das Jahr 2014 (insgesamt 146) sage und schreibe 137 Straftaten weniger als 2013 (insgesamt 283). Dieses „ostdeutsche Minenfeld“ für Autobesitzer wird auch durch folgende Zahlen verstärkt. Im Osten verschwanden zwar weniger Autos (16.155) als in den alten Ländern (20.233). Doch im Vergleich zu den zugelassenen Wagen ergibt es eine Diebstahlquote von 176 (Ost) zu 75 (West) je 100.000 gemeldeter Autos. Anmerkung: Bitte berücksichtigen Sie zudem die komplette Städte-Tabelle im Anhang sowie der Deutschland-Grafik.

Weiter Diebstahlhochburgen sind: Aachen (403 je 100.000 zugelassener Autos), Dresden (333 je 100.000), Potsdam (293 je 100.000), Leipzig (274), Magdeburg (257), Hamburg (253), Dessau-Roßlau (238 je 100.000), Neubrandenburg (176), Chemnitz (174), Halle/ Saale (170), Hannover (162), Rostock (156), Köln (147 je 100.000), Düsseldorf (146 je 100.000), Wolfsburg (135 je 100.000), Jena (133 je 100.000), Bremerhaven (132 je 100.000), Göttingen (132), Braunschweig (126) und Bremen (125 je 100.000). 

Landkreise: “Wild east” in Brandenburg

Was in den oben genannten Städten an Autoklau geschieht, setzt sich auch in den umgebenden Landkreisen fort. In den Top 20 der gefährlichsten Landkreise finden sich allein elf aus Brandenburg und vier aus Sachsen. Der zwischen Berlin und Cottbus gelegene Landkreis Dahme-Spreewald verzeichnet eine Klau-Quote von 303 gestohlenen Autos zu je 100.000 zugelassenen Wagen (absolut: 321), gefolgt vom Landkreis Görlitz mit einer Quote von 294 Klau-Autos je 100.000 zugelassener Wagen. Die erste von wenigen westdeutschen Ausnahmen bildet der Kreis Aachen (Stadtregion). Insgesamt vermeldeten die Behörden dort 765 Diebstähle mit einer Quote von 264 je 100.000 zugelassener Autos.* Es folgen die Landkreise Oder-Spree (259 je 100.000 Kraftwagen), Oberspreewald-Lausitz (258 je 100.000), Spree-Neiße (256 je 100.000), Teltow-Fläming (199), Havelland (158), Potsdam-Mittelmark (157) oder Landkreis Bautzen (154).


*Landkreis Görlitz inkl. der Stadt Görlitz: Ohne die Stadt beläuft sich die Diebstahlquote auf 218 Fahrzeugen je 100.000 zugelassener Wagen. Diese Quote würde Platz sieben im Ranking bedeuten. Kreis Aachen inkl. der Stadt Aachen: Ohne die Stadt beläuft sich die Quote auf 161 Fahrzeuge je 100.000 zugelassener Wagen. Diese Quote würde Platz acht im Ranking bedeuten.

Sichere Heimat für Autofahrer

Viel entspannter können Autobesitzer „ihre besten Stücke“ im Süden und Südwesten der Republik abstellen. Als besonders sicher stellten sich in der billiger.de-Auswertung Städte in Baden-Württemberg und Bayern heraus: Top-Werte erreichen Tübingen mit nur 13 gestohlenen Autos je 100.000 zugelassener (insgesamt 5), Reutlingen 18 je 100.000 (insgesamt 12), Coburg (insgesamt 5) und Würzburg (insgesamt 13), beide 20 je 100.000 angemeldeter Kraftwagen.

Im Landkreis Miesbach (Bayern) könnte man, hypothetisch gesprochen, sein Auto auch unverschlossen abstellen. Die Möglichkeit eines Diebstahls scheint äußerst gering. Im Jahr 2014 verzeichnete die Polizei nur einen Diebstahl. Dies bedeutet eine gerundete Quote von einem Delikt je 100.000 zugelassener Kraftwagen. Mit etwas Abstand folgen die Kreise Neumark in der Oberpfalz (sechs je 100.000, sechs Delikte absolut), Odenwaldkreis (fünf Delikte absolut) und Fürth (sechs Delikte absolut), beide mit acht Diebstählen je 100.000 Kraftwagen. 

Aufklärungsquote in Deutschland 27,5 % / in Stralsund 6,5 %, Rostock 6,7%, Aachen 8,3 %, Hamburg 10,2%

Freude über rückläufige Diebstahls-Zahlen ist wohl kaum angebracht. Denn weniger als ein Drittel der gestohlenen Wagen können von den Behörden wieder aufgefunden werden. Besonders brisant: Allein 17 der 24 als „Diebstahlhochburg“ definierten Städte liegen noch unter den mageren 27,5% der bundesweiten Aufklärungsquote. Besonders auffällig dabei: Rostock (6,7%) und Aachen (8,5%). Doch auch andere Städte aus dem Mittelfeld oder den „sicheren Städten“ sind vor miesen Quoten nicht gefeit: Stralsund (6,5%) oder Marburg (8,3%). Auf Bundesebene schneiden die Stadtstaaten am schlechtesten ab: Hamburg (10,2%), Berlin (11,9%) und Bremen (16%). 

Schadenssummen

Auch wenn die Anzahl der Straftaten leicht zurückgeht, der Schaden pro geklautem Auto wird immer größer. Entstand 1991 durch einen Diebstahl noch ein Schaden von durchschnittlich 6.500 Euro pro Auto, waren es im Jahr 2014 bereits rund 13.000 Euro. Ein Jahr nach der deutschen Vereinigung schlug eine Schadensumme von rund 945 Millionen DM (entspricht etwa 483 Millionen Euro) bei enormen 73.586 Straftaten zu Buche.

Doch die scheinbare Sicherheit trügt: Vor fast 25 Jahren waren Autos durchaus noch mit Schraubenzieher zu stehlen, und das vor allem von Deutschen (nur 15,3 Prozent „nichtdeutsche Tatverdächtige“). Mit der Weiterentwicklung im Automobilbau und der Verbesserung der Diebstahl-Sicherheitssysteme gingen die Straftaten natürlich zurück. Durch den Wegfall der Grenzkontrollen verfügt fast ausschließlich nur noch die „organisierte Kriminalität“ über das Know-how und die kriminelle Energie, Fahrzeuge zu knacken, zu stehlen und auf Nimmerwiedersehen aus Deutschland abzutransportieren. Das hat zur Folge, dass ein gestohlener Kraftwagen mit einer viel höheren Schadenssumme zu Buche schlägt als vor 25 Jahren.

Der Autodieb

Autoklau oder Wohnungseinbrüche sind seit Jahren keine Bagatellen mehr. Auch sind bei Leibe keine Amateure am Werk, sondern straff organisierte professionelle Banden. Die Aufgaben sind – ähnlich wie etwa in der Produktion von Autos – klar aufgeteilt. Es gibt die „Aufklärer“, sie halten in Deutschland Ausschau nach lukrativen Diebstahlobjekten, jene, die das Auto stehlen, und jene, die das Auto außer Landes schaffen.

Doch wenn die Behörden Diebe zu fassen bekommen – was selten genug der Fall ist –, zeichnet sich folgendes Bild: Das Gros (rund 65 Prozent) der Tatverdächtigen besitzt deutsche Papiere, rund 35 Prozent sind sogenannte „nichtdeutsche Tatverdächtige“. Deren Anteil steigt jedoch seit Jahren an: 15,3 Prozent (1991), 22,9 Prozent (2008), 31,3 Prozent (2011) und 35,3 Prozent im Jahr 2014.

Fast 92 Prozent der ertappten Kriminellen sind Männer. Mit 40 Prozent machen die 25- bis unter 40-Jährigen die größte Personengruppe aus. Fast 72 Prozent aller erwischten Diebe sind zudem bereits polizeilich bekannt. 37 Prozent der ermittelten „nichtdeutschen Tatverdächtigen“ besitzen einen polnischen Pass, zehn Prozent haben türkische Papiere, jeweils sieben Prozent einen rumänischen oder litauischen Pass.

Nice to know: Zehn Prozent der Diebe begingen die Straftaten unter Drogeneinfluss, 13 Prozent waren betrunken.

Tricks der Autodiebe

Wie bei fast jeder Straftat, ist der Faktor Zeit auch beim Autoklau besonders wichtig – weil Mangelware. Deshalb versuchen die Diebe bereits im Vorfeld der eigentlichen Straftat an Informationen zu gelangen.

Das heißt: Sie „klonen“ Autoschlüssel, ohne dass der Besitzer es mitbekommt. Sie bringen den Originalschlüssel für kurze Zeit in ihren Besitz, erstellen eine Kopie des Zugangscodes und entwenden das Auto erst später. Auch können Störsender das Schließen des Autos via Fernbedienung verhindern. Im Zuge von Wohnungseinbrüchen werden auch zunehmend Autoschlüssel geklaut. Mittlerweile brechen Ganoven sogar gezielt ein, nur um die Schlüssel zu entwenden.

Die verschiedenen Diebstahlquoten in den unterschiedlichen Regionen beeinflussen unter anderem auch die Höhe der KFZ-Versicherungen in den Zulassungsbereichen. Deshalb sollten KFZ-Halter bis zum 30. November ihre Policen überprüfen und die Chance zum Wechsel nutzen. Auch billiger.de bietet einen solchen Kfz-Versicherungswechsel an und zwar unter https://www.billiger.de/finanzen/kfz-versicherung-vergleich

Quelle: billiger.de, Stand: 15.10.2015, Angaben beruhen auf Statistiken der zuständigen Polizeibehörden auf Stadt-, Landkreiseben sowie der Bundesländer und Bundesebene (Landeskriminalämter PKS 2014/ 2013 und PKS, BKA - Bundeskriminalamt 2014/ 2013). Bestand an Kraftfahrzeugen zum 1. Januar 2014 nach Gemeinden, laut Kraftfahrtbundesamt (KBA).